harry potter, maniac

nun hab ich fuer fast zwei wochen im chadar ochel (speisesaal) gearbeitet. d.h. jeden morgen um 5.24 aufwachen und ab ca. 6 uhr arbeiten, d.h. sauberes geschirr auffuellen, fruehstueckssachen (schokomilch, milch, joghurt etc.) aus dem kuehlschrank in die „buffetwagen“, dann gemuese waschen (je nachdem wieviel die leute gegessen haben, muss mehr gewaschen werden) das kann manchmal sehr nervig sein, und inzwischen kenn ich die hebraeischen namen fuer das gemuese wirklich gut genug. nunja, nach dem fruehstueck heisst es aufraeumen und saubermachen. entweder wird der komplette speisesaal geputzt oder aber es werden tische fuer den shabbat reingetragen und aufgebaut (oder rausgetragen, wenn der shabbat vorbei ist…).
oder aber mensch bekommt die ehrenvolle aufgabe lemata, d.h. downstairs, d.h. unten zu putzen, was die scherutim, d.h. toiletten beinhaltet. mittagessen heisst essen austeilen (nur der „hauptbestandteil“ des menues) und schauen ob genug geschir und besteck da ist. danach aufraeumen und fertig.
alles in allem eine nicht sehr spannende arbeit, und zum hebraeisch lernen auch nicht unbedingt sehr gut, denn die „chefin“ kommt aus argentinien und kann, sowie ich das mitkriege, noch weniger hebraeisch als ich. zumindestens was den satzbau und die verbformen angeht, die sie ganz gerne mit spanisch mixt. da sie auch kein englisch kann, ist die kommunikation durchaus spassig (und mein hebraeisch hilft mir sogar weiter…)
heute hab ich endlich mal wieder woanders gearbeitet: auf den feldern. zwar heisst das eine stunde eher aufstehen, aber dafuer gibt es arbeit, die einen befriedigt, ganz einfach deswegen, weil der erfolg sichtbar ist und die arbeit im wahrsten sinne des wortes schweisstreibend ist. von 6 bis zum fuehstueck um 8 musste ich (zusammen mit 3 anderen leuten) ein neu zu bestellendes feld aufraeumen, also jeglichen herumliegenden muell auf einen traktoranhaenger werfen. das ganze in sichtweite zur jordanisch-israelischen grenze, die vom ende des feldes 2-3 fusswegminuten entfernt liegt.
nach dem fruehstueck bekam ich die aufgabe 12 meter lange bewaesserungerungsrohre auf einen anhaenger zu hieven, um sie danach wieder auf einem anderem feld zu verteilen. heiss und anstrengend, da schon um 9 die sonne auf dauer recht unangenehm ist. aber wie gesagt, mir gefaellt die arbeit auf den feldern, obwohl koerperlich wesentlich anstrengender, besser. beim essen im speisesaal hatte ich das gefuehl was geschafft zu haben, und nicht, wie bei der arbeit im speisesaal eine nie endende taetigkeit zu verrichten. essen rein, essen raus saubermachen…

nun aber zu etwas voellig anderem:
naemlich zu meinen erfahrungen speziell als deutscher hier zu sein. stefan schrieb kuerzlich (hier:http://stefan-in-bolivien.myblog.de/stefan-in-bolivien/art/5310024/), dass er oft auf das dritte reich angesprochen wird, und zwar scherzhaft. dasselbe passiert mir hier mit einigen volontaeren, allerdings sieht die lage anders aus als bei stefan, der schreibt, dass die leute in bolivien wahrscheinlich nicht derart viel ahnung haben ueber „die geschichte ausserhalb boliviens“, da die meisten anderen volontaere hier juedisch sind. es sind durchaus auch teilweise sehr zynische witze bzw. „vergleiche“, bei denen ich mir denke, dass sie zu weit gehen, selbst wenn es alles im humorvollen stil vorgetragen wird. das gute an der sache ist naemlich, dass ich ihnen mit altbekannten antisemitischen motiven antworten kann. natuerlich haben nicht alle diese art von humor, aber bei manchen macht es durchaus spass so miteinander zu witzeln.
wobei mir grade einfaellt, dass die beiden volontaere aus china, die nicht juedisch waren und schon lange weg sind, mich auch gerne mit einem (witzig gemeintem) hitlergruss und einem „heil hitler“ (das ich garnicht verstanden habe) gegruesst haben. und bei denen war der bildungsstand ueber die geschichte des dritten reichs mit sicherheit nicht so hoch, ich erinnere mich daran, dass der eine chinese mich mirnichtsdirnichts waehrend einer „diskussion“ ueber nationen, nationalismus, patriotismus etc. gefragt hat: „you are a german and you are so kind. how was is possible, that the german army killed so many jews 70 years ago?“
nunja, das bringt mich zu einem weiterm punkt: ich werde fast immer mit grossen augen angestarrt, wenn ich erwaehne, dass ich „mein“ land nicht mag. dabei sage ich auch sogar meistens nur „nicht mag“, und belasse es dabei.
dazu vll. spaeter mehr.
ich bin unendlich untroestlich, dass meine blogeintraege wahrscheinlich schrecklich zum lesen sind, da ich einfach nur runterschreibe. aber so ist das leben eben, haette ich mehr zeit wuerde ich es vll. anders machen. und fotos gibt es vll. auch bald mal wieder welche.
achja:
שנה טובה לכולם


1 Antwort auf “harry potter, maniac”


  1. 1 juicet 14. Oktober 2007 um 20:56 Uhr

    sers.
    du hast hässliche blogs verlinkt im blogroll. hatte ich auch. habe ich geändert. und weisst du was? du kannst das auch!
    grüsse und schreib mal was aus deinem hottentottenzirkus.

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